Seeadler

DER ABEND

Es gab ein Essen und dann das Angebot, dass der Junge doch auch duschen könne, immerhin habe er getanzt und sei gewiss verschwitzt. xy sagte Ja, wie er den ganzen Abend schon Ja gesagt hatte. Nun ging alles ganz schnell. Als er in der Dusche stand, kam der Lehrer ins Badezimmer, nackt. Er stieg zu dem 11jährigen in die Dusche. Er begann zu erzählen, dass sowas doch ganz normal sei. Zusammen duschen und sich anfassen. Die Leute allerdings machten so ein Geschrei. Deswegen dürfe man es nicht weitererzählen, dass der Lehrer mit einem Jungen nackt in einer Dusche stehe. Der junge Tänzer war vollkommen verdattert, was da geschah: Ein nackter Lehrer mit ihm in derselben Dusche. „Er hat mich eigentlich nicht angefasst, kaum berührt“, erinnert sich Jens. „Dafür hat er immer an sich herum gespielt. Ich vergesse das Bild nie mehr, wie der Mann mit seinem erigierten Penis vor mir steht.“

Bildschirmfoto 2015-03-21 um 00.33.41

Die Jugendlichen und Männer setzten sich zusammen hin und guckten Dias. Von den Großfahrten nach Skandinavien. Nach Griechenland, wo man am Strand campte und nackt badete und Faltboot fuhr. Zu den Dias wurden Schokolade und Kekse gereicht. „Und die Leute, die wollten, landeten dann gleich in einem Raum nebenan.“ Wenn die Jugendlichen aber nicht von alleine gingen, wurde manchmal nachgeholfen. „Du wurdest ständig psychisch und emotional manipuliert“, sagt Jens heute. „Die Atmosphäre bei den Gruppenabenden war extrem sexualisiert. Es ging den Älteren nur darum, uns Jungen rumzukriegen. Uns wurde erzählt, wir wären etwas Besonderes. Einige bekamen Geschenke. Eine sich damals ausbreitende Pädo-Ideologie war allgegenwärtig. Es wurde mit Leuten wie Helmut Kentler argumentiert. Ich hatte Angst, habe mich aber oft nicht getraut, Nein zu sagen. Jedenfalls nicht, wenn ich in dieser Wohnung war.“

„Der Raum nebenan“, ein Raum in der Wohnung, war mit Matratzen ausgelegt und meist dunkel, also gegen Blicke von Außen geschützt.

„Da übernachteten einige auch immer mal. Ich auch. Ich habe mir zuerst nicht viel dabei gedacht. Ich kriegte natürlich mit, wie neben mir im Dunkeln Dinge passierten. Ich wurde immer wieder angefasst. Hinterher hieß es dann immer beruhigend, es wäre in den Menschen so angelegt, dass Kinder von gleichgeschlechtlichen Erwachsenen in die Sexualität eingeführt würden. Es hätte nichts mit Schwulsein zu tun. Unter Frauen gebe es ähnliche Gruppierungen, wo es alles genauso wäre. Ich wurde sogar damit geködert, dass wir diese Mädchen irgendwann träfen. Es gebe befreundete Mädchengruppen in Finnland. Ich war mit 11 gar nicht interessiert an Mädchen, an Sex erst recht nicht. Aber es wurde herbeigeredet, ich wurde in Gedanken- und Gefühlswelten gezwungen, in denen ich mich nicht auskannte, und in denen ich nicht zu Hause war. Aber mir wurde scheinheilig immer wieder gesagt, die Entscheidung für oder gegen alles läge bei mir. Ich bräuchte bei nichts mitmachen. Mit solchen Tricks bekamen wir Kinder damals die Verantwortung für das Ganze zugeschoben, und die kriminellen Anderen haben sich freigemacht davon. Und es wurde ein Graben geschaffen zwischen uns und der schützenden Außenwelt.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s