68er/Grüne

Das nackte Kind

Die 1968er verwenden das Motiv des nackten Kindes wie vorher die Jugendbewegung.

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Das Symbol für den Protest und die neue Lebens- und Liebeskultur ist die Kommune 1, wie sie sich nackt an die Wand stellt, am Rande steht ein kleines Kind. In Wahrheit ist es das Zentrum der Reich´schen Sexuellen Revolution. Die Adepten Wilhelm Reichs, und es waren viele, übernahmen und raubkopierten seine Gedanken – und übersetzten sie sofort in eine sexuelle pädagogische Praxis. In den Kinderläden ist Ausziehen und aktivierende Sexualisierung keine Anekdote, sondern das politisch-pädagogische Programm. Anders als in A.S. Neills Summerhill bleibt es in deutschen Kinderläden nicht dem Kind überlassen, ob es sich ausziehen will. Hier gilt der Befehl „Ausziehen“ für alle – es macht die Nacktheit zu einer politischen Demonstration. Und zu einer Machtausübung. Viele Kinderladenkinder berichten heute, wie sie sich geschämt haben damals.  

Kinder, jetzt spielt ihr alle nackt!“, hieß es an einem schönen Sommertag in einem Kinderladen in Wilhelmshaven im Jahr 1970. Aber der sechsjährige Junge, der schon bald in die Schule kommen sollte, er hatte einfach keine Lust, mit kleineren Kindern nackt im Sandkasten zu spielen. Er schämte sich. „Also behielt ich die Klamotten lieber am Leib“, erinnert er sich, „so lange, wie es eben ging.“ Aber das wurde nicht erlaubt. Den anti-autoritären Befehl „Ausziehen!“ hatte er zu befolgen. Es ist kein Trauma, das er davongetragen hat – aber es hat sein Schamgefühl damals verletzt. Und es ist interessant, dass er noch heute keine Lust hat, in die Sauna zu gehen. 

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