Gesellschaft ist breiter als Kirche 

Anmerkungen zur Aufnahme für das Kulturradio im RBB, Sendung Zeitpunkte, Samstag 21. März, ab 17 Uhr

Zeitpunkte

Ich werde oft gefragt, wieso ich nicht die Kirche untersuche. Erstens habe ich das vielfach getan. Zweitens ist das Problem des Missbrauchs in Protestbewegungen und Gesellschaftsentwürfen mindestens genauso wichtig. Wenn sich Missbrauch an Kindern nämlich in Ideologie-Versatzstücken wie Sexuelle Befreiung oder pädagogischer Eros oder Toleranz mit Homoerotikern versteckt, dann betrifft das eben die ganze Gesellschaft. All diese Theoreme betreffen immerhin unsere aufgeklärten Vorstellungen von Leben, Lieben und Lernen.

Wenn sich aber dort Missbrauch wie ein Floh in einem wohligen Pelz einschleicht, dann haben wir ein Problem! das weit über Kirche hinausreicht. Und es kann doch gar kein Zweifel bestehen, dass unter der Flagge von sexueller Befreiung etwa in Kinderläden proaktive und praktische Sexualaufklärung versteckte; dass Pädophile und Mitläufer die Schwule Toleranzdebatte bei den Grünen missbrauchten, um „Sex mit Kindern“ straffrei zu stellen; dass in der Odenwaldschule und anderen Reformschulen unter der Ideologie des pädagogischen Eros Hunderten Kindern sexualisierte Gewalt angetan wurde.

Wie aktuell solche Fragen sind, kann man an der Familie erkennen: Bisher war stets die Familie der gefährlichste Ort für Kinder, wenn es um sexuelle Gewalt geht. Zwei Drittel der Fälle finden in oder um die Familie statt, begangen von Verwandten, Freunden oder gar dem Vater (selten auch der Mutter). Inzwischen aber beginnt das Internet der Familie den Rang abzulaufen bei der sexuell motivierten Ansprache. In einer Untersuchung (der FH Merseburg) sagten 45 Prozent der Mädchen, dass sie im Internet sexualisierte Gewalt erlebt hätten – bei weitem der höchste Wert im Vergleich zu Freizeit oder Schule. Was bedeutet das?

Missbrauch ist eine Nahfeldtat, die Täter müssen an ihre Opfer herankommen. Oder mit anderen Worten: Früher nutzten Täter oft den Weg über die Familie – heute kommen sie via Internet ganz nah an die potenziellen Opfer heran, sie können sich über diverse Plattformen direkt in die Kinderzimmer einloggen. Siehe ein Beispiel aus Deutschland und eines aus den USA. In dem einen Fall geht es um einen Mann, der als „Christina“ andere Mädchen dazu überredet hat, pornografische Bilder von sich zu posten. In dem anderen um die Plattform kik-Messenger in den USA, die zunehmend als Grooming-Ort verwendet wird.

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