Was in Kinderläden möglich war

Buchpremiere, Donnerstag, 12. März, 19 Uhr, Café Knorke

In einem Kinderladen wurde ein neunseitiges Grundsatzprogramm beschlossen. Darin steht auf eineinhalb Seiten penibel beschrieben, wie man im Kinderladen und am besten auch zuhause bei den Eltern die sexuelle Befreiung organisieren könne. 

StreifenEkel

Unter anderem steht da, dass es nicht ausreiche, einfach Doktorspiele zuzulassen. Nein, es gelte aktiv auf die Kinder einzuwirken, sie zu ermuntern, damit sie ihre Geschlechtsteile und ihren Sex erforschen könnten. Und wenn sich eines der Kinder etwas in die Scheide einführe, dann sollten Eltern oder Erzieherinnen auf keinen Fall „mit Angst oder Ekel“ reagieren – das nämlich könne das Kind traumatisieren.

Solche interessanten Vorschläge werden auf eineinhalb Seiten ausgebreitet. Nur einen Fall konnten die Eltern nicht klären. Sollten die Kinder zuhause „den Koitus der Eltern beobachten können“? Dazu habe die Zeit nicht ausgereicht, legte das Plenum fest. Die Eltern sollten auf jeden Fall verhindern, „dass sich die Kinder völlig ausgeschlossen fühlen“. Beim Sex.

Streifen4Koitus

Der Vater aus unserem Kinderladen konnte sich an sowas nicht erinnern. Auch nicht an Wilhelm Reich. Auch nicht an die Literaturliste des gemeinsamen Kinderladen-Beschlusses, die von Mao Tse-Tung über Helmut Kentler reicht – und auf der, selbstverständlich, Wilhelm Reich verzeichnet ist.

P.S. Eines der Kinder aus dem Laden berichtete über seine Erfahrungen später:

Es gab pro Kindergruppe ein oder zwei Erzieherinnen. Andere Erwachsene tauchen in dem antiautoritären Konstrukt kaum auf und wenn, dann immer in Masse, auf Versammlungen, zur Vorbereitung von Aktionen oder Demos oder hippiesken Feierlichkeiten.  

Literaturliste

Aus dem Kinderladenprogramm 1970

 

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